Adele hat abgenommen!

A9C9D3AF-5D86-4258-9D98-515A77A1AF7E_1_105_c


Ein wichtiges Thema bewegt das noch junge Jahr 2020: Adele hat abgenommen!

"Das Geheimnis von Adeles Superdiät!" titelte unsere Tageszeitung und widmete der unglaublichen Story eine ganze Seite in der Rubrik "Ratgeber". Das Mysterium der wundersamen Verschlankung wird gleich zu Beginn gelüftet: es handelt sich um die "Sirtfood-Methode".

Vorweg jedoch erst einmal ein Rezept für Mozart-Kugeln. Die sollte man sich gönnen, bevor man sein Leben komplett umkrempelt und dünn aber vermutlich auch freudlos ein biblisches Alter erreicht. Denn neben der Verschlankung geht es bei der Sirtfood-Methode auch darum, den ganzen angesammelten Zell-Schrott mal so richtig wegzuputzen. So lebt man länger. Zumindest kommt es einem so vor.

Aber leider werden die kulinarischen Höhepunkte des Lebens eher selten.

Mozart-Kugeln

200 g Nougat
200 g Marzipan-Rohmasse
10 g Pistazien ohne Schale
125 g Puderzucker
100 g dunkle Schokolade
1 TL Bio-Orangenabrieb

Die kalte Nougatmasse in Würfel von ca. 1 cm Größe schneiden, zu Kugeln formen und kalt stellen.

Die Pistazienkerne im Blitzhacker zu feinem Grieß zerkleinern. Die Marzipanrohmasse zusammen mit dem Pistazien-Gries und dem Orangenabrieb zu einer glatten Masse verkneten.
Zu einer etwa 2 cm dicken Rolle formen. In so viele Stücke schneiden, wie Kugeln vorhanden sind.

Die Marzipanstücke auf einer mit Puderzucker bestäubten Tischplatte flach auseinander drücken und je eine Nougatkugel drauf legen. Nun die Nugatkugel in die Marzipanmasse einhüllen, an den Rändern gut andrücken und zu Kugeln formen.

Die Schokolade fein zerhacken. 2/3 der Schokolade auf 40-45 °C erwärmen, bis sie vollständig geschmolzen ist.
Das übrige Drittel langsam nach und nach in die warme Schokolade rühren, bis die Temperatur auf 29-32 °C gesunken ist. Jetzt die Kugeln hinein tunken und auf einem Gitter abkühlen lassen.

Mit etwas Goldstaub bepudern. Was Nusr-Et kann, können wir schon lange!

D77878D0-D51B-4119-B254-10444DDF7A8F_1_105_c


Doch zurück zur Stirfood-Diät mit Methusalem-Effekt:

Der Name "Sirtfood" bezieht sich auf Lebensmittel, die im Körper bestimmte Eiweiße aktivieren sollen. Durch diese "Sirtuine" genannten Enzyme beginnt der Körper, in Notsituationen wie Hunger, Stress, Hitze, Kälte oder Infektionen, Fettzellen zu verdauen.

Beim Abnehmen geht es nämlich immer darum, den Körper dazu zu bringen, angesammelte Energie-Depots abzubauen. Oder einfach gesagt: der Bauch soll weg.
Mittlerweile ist gut erforscht, dass man leider bei einer starken Kalorien-Reduzierung zunächst an Muskelmasse verliert und der Körper erst später die Fettzellen vernascht.

Vor dem Bauch schwindet also der Bizeps. Das will natürlich niemand. Dagegen hilft eigentlich nur, während des Abnehmens Sport zu treiben.

Und hier kommen die Sirtuine ins Spiel. Es wäre ja zu schön, wenn die kleinen Helferlein auch ohne die genannten, unangenehmen Lebensumstände in Aktion treten würden. Noch besser wäre, wenn sie vorwiegend Fettzellen und nicht Eiweiß, also Muskeln, in Energie umwandeln würden.

In der Theorie verspricht die Sirtfood-Methode nämlich genau das:
Bestimmte Lebensmittel, die die Sirtuin-Produktion anregen, lassen die Fettzellen mit all dem gespeicherten Müll verschwinden. Man wird also nicht nur dünn, sondern auch uralt, denn möglich Krankheitsauslöser werden einfach verputzt.

Hinter dem Ganzen steckt David A.Sinclair, ein Professor für Genetik. Er kommt anscheinend nicht besonders gut damit klar, dass er irgendwann sterben muss und versucht dies mit allen Mitteln zumindest hinauszuzögern. In Anbetracht der Tatsache, dass er mit Ende 30 seine Biotech-Firma für 720 Millionen Dollar verkauft hat, braucht er auch noch viel Zeit, um dieses Geld auszugeben.

Ein kleiner Exkurs in die Welt der modernen Ernährungs-Wissenschaft

Sinclairs Mittel gegen das Altern sind im großen und ganzen Metformin, NMN und Resveratol. Diese kleinen Leckereinen mischt er morgens in seinen Joghurt. Dazu täglich eine Tablette Aspirin und eine Vitamin-D Pille. Der schmackhafte Cocktail soll die Sirtuine anregen, die Ihrerseits nun beginnen, die Fettzellen zu verstoffwechseln.
Das klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein, zumal einer der Stoffe, das Resveratol in dunklen Trauben und somit auch in Rotwein vorkommt. Übrigens auch in dunkler Schokolade. Ein Prostit auf ein langes, gesundes Leben! Genießen Sie zum Wein gleich mal eine Mozart-Kugel.

Leider zeigen neuere Studien, dass es doch nicht so einfach ist. Aber Adele startete Ihre Diät auch nicht um alt, sondern dünn werden.

Um es vorweg zu nehmen. Im eingangs angeführten Zeitungs-Artikel wird ganz nebenbei erwähnt, dass der Kern der Sirtfood-Diät in einer starken Kalorienreduzierung in Verbindung mit täglich 60 min. Zirkeltraining liegt.
In der ersten Phase durfte Adele nur 1000 Kalorien pro Tag zu sich nehmen. Danach 1500 Kalorien und anschließend maximal 1800 Kalorien zur Stabilisierung. Und zwar für immer. Für immer immer.

Das wiederum ist überhaupt nichts Neues und Basis von jeder Diät: weniger Essen und Sport treiben.
Wer dann nicht abnimmt, der schummelt.

Das Erfolgsrezept ist also nicht, was wir essen, sondern die Menge an Kalorien, die wir aufnehmen, im Verhältnis zu der Energie, die wir verbrennen.

Unsere Nahrung besteht grundsätzlich nur aus 4 energiereichen Komponenten: Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate und mehr oder weniger Alkohol. Dazu enthalten alle Nahrungsmittel mehr oder weniger Wasser.

In diesem Rahmen kann man nun munter die Verhältnisse hin und herschieben - schieben Sie nicht zu sehr in Richtung Alkohol. Trotzdem geht es letztendlich immer um die Gesamtsumme an Energie aus den genannten Nährstoffen.

Es gibt eine ganz banale Rechnung, um den persönlichen Kalorienbedarf zu berechnen.

Ein lebender Mensch benötigt eine Kalorie pro Stunde pro kg Körpergewicht.

Sagen wir Adele wog zu Beginn der Diät 100 kg, so benötigte Sie 100 x 24 = 2400 Kalorien am Tag. Und zwar ohne zusätzliche Bewegung, einfach nur, um ihr Gewicht zu halten. Das ist der Vorteil am Dick-Sein. Man muss viel Essen, um sein Gewicht zu halten.

Die tägliche Stunde Zirkeltraining, die Adele mit Diätbeginn absolvierte, verbrauchte zusätzlich ca. 600 Kalorien. Auch hier spielt das Anfangsgewicht eine Rolle, denn natürlich ist es umso anstrengender, je mehr Masse man bewegt.

Die Rechnung ist also ganz einfach: Adele verbraucht insgesamt etwa 3000 Kalorien, nimmt am Anfang der Diät aber lediglich 1000 Kalorien zu sich, also wird sie - Sirtfood hin oder her - abnehmen.

Jede Diät hat einen Haken

Mit jedem Kilogramm Gewichtsverlust sinkt der Kalorienverbrauch und -bedarf sowohl des Körpers als auch bei zusätzlicher Anstrengung. Das ist der Grund für den Jojo-Effekt: Isst man nach der Diät wieder die gleiche Menge wie davor, nimmt man natürlich wieder zu und zwar bis man das Start-Gewicht erreicht hat. Oder es sogar übertriff. Da hilft leider auch keine Sirtfood-Methode.

Was ist eigentlich aus dem guten, alten Klassiker unter den Diäten geworden: FDH. Die könnte irgendwann auch einmal wiederbelebt werden. Probieren Sie die Diät einfach an der der Mozartkugel aus:

C2387A9C-AC6A-4A5B-860B-D8EB651BCDBE_1_105_c



Wer die Kalorienmenge seiner aufgenommenen Nahrung ausrechnen möchte, hat folgende Rechengrundlagen:

Kohlenhydrate und Eiweiß: 4 kal / g
Alkohol: 7 kal / g
Fett: 9 kal / g
Wasser: 0 kal / g