Über mich und wie ich zum Kochen kam

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Nach der Schule habe ich mich, nach einem kurzen Ausflug zum Zivildienst, in Braunschweig an der Uni eingeschrieben. Meinem Freund Mazze folgend, wählte ich Philosophie und Deutsch auf Lehramt. Wir hatten lange Haare und trugen meist schwarze Klamotten - ganz im Sinne unserer damaligen Helden.

Denn eigentlich wollten wir Musiker und nicht Lehrer werden. Mein Traum war, Schlagzeuger in einer Band zu sein.
In unserer Heimatstadt Salzgitter musste schon ein wenig der Zufall mitspielen, um Musiker zu finden, die zudem noch unterschiedliche Instrumente beherrschen. Salzgitter ist eher für eine Karriere als Stahlkocher geeignet.

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Wir hatten Glück und haben es sogar geschafft, eine Zeit lang von der Musik zu leben. Gekrönt wurde unsere Karriere mit dem Gewinn eines Echos 1998. Also vor fast zwanzig Jahren! Mein Gott, ist das lange her.

Zum Glück gibt es den Echo heute noch und ich kann hin und wieder damit angeben.

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Danach ging es leider schleichend aber doch stetig bergab, bis wir uns irgendwann einfach nicht mehr im Übungsraum getroffen haben. Da hatte sich die Band anscheinend aufgelöst.

Für den Abschluss des Lehramt-Studiums war es ebenfalls zu spät. Die Luft war raus und nach 34 Semestern habe ich mich exmatrikuliert. Auch ein schleichender Prozess.
Wobei ein kleiner Abschluss doch dabei herausgekommen ist. Heute könnte man sagen, ich habe einen Bachelor in Deutsch und Philosophie. Damals nannte man es "Zwischenprüfung". Im Prinzip bin ich ein halber Lehrer.

Was ich jedoch in dieser Zeit als Musiker und Student gelernt habe, ist, mir Dinge autodidaktisch aber mit System beizubringen. Unser damaliger Philosophie Prof. Dr. Dr. Claus-Artur Scheier (so viel Zeit muss sein, mit so einem Namen musste man Philosoph werden), hatte uns damals Folgendes erklärt:

Um die jeweiligen Philosophen richtig zu verstehen, müsse man sie selbstverständlich in Ihrer Muttersprache studieren.

Für das Werk Kierkegaards lernte er also Dänisch. Er merkte noch an, dass es ja auch nicht so schwer sei. Mit einer Grammatik und einem Wörterbuch könne man direkt loslegen.

Was das Arbeiten in einer Rock-Band anging, gab es sowieso nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich professionell weiterzubilden. Es galt eher, Songs und Stile von anderen zu analysieren und daraus Ideen für sich selbst zu entwickeln. Um es mit Picasso sagen: "Gute Künstler kopieren, großartige klauen."

Eigentlich genauso wie beim Kochen.

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Von Trommelstöcken zum Kochmesser

Mit der Geburt unseres Sohnes Phil im Jahr 2002 fing ein neues Zeitalter für mich an. Aufgewachsen in einer Fleischerei fand ich zunächst das Thema Essen unfassbar nervig, da es in unserer Familie rund um die Uhr darum ging.

Als Phil nun älter wurde, haben Anja und ich begonnen, mit großem ökologischen Enthusiasmus für Ihn Brei zuzubereiten. Anfangs nur aus einer Zutat (Möhre, Pastinake oder Kartoffel), später auch in immer umfangreicheren Kombinationen. Zu diesem Zutaten-Wörterbuch fiel mir irgendwann die passende Grammatik in die Hände:

"On Food And Cooking" von Harold McGee

Apropos in die Hände: wie man auf den Bildern sieht, hält man ein Kochmesser ganz ähnlich wie einen Trommelstock. Das kann doch kein Zufall sein, oder?

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Weiterbildung

Seit 2011 gebe ich regelmäßig Kochkurse. Anfangs habe ich sicherlich mehr dazu gelernt, als die Teilnehmer. Ähnlich wie in der Schule: wer Mathe nicht kann, sollte nicht Mathe-Nachhilfe nehmen, sondern geben.

Zu dieser Zeit entstand der Wunsch, irgendwann einmal einen eigenen, kleinen Kochraum zu finden.

Um mich kulinarisch zu bilden, habe ich 2013 begonnen, an diversen Wettbewerben und Koch-Sendungen teilzunehmen. Dadurch habe ich viele Leute kennengelernt, die genauso Leidenschaftlich an kulinarische Themen herangehen wie ich. Auch hier ist die Region um Salzgitter nicht unbedingt der Schmelztiegel der Kochkunst. Um einmal beim Bild der Stahlkocher zu bleiben.

Von dem Geld, dass ich bei den diversen Kochwettbewerben gewonnen habe, habe ich mir eine Kamera gekauft und so entstand die Idee zu diesem Blog. Hier habe ich, anfangs nur für die Teilnehmer der Kochkurse, die Rezepte veröffentlicht und weitere Informationen zusammengestellt.

Begleitet von Fotos der Zubereitungsschritte und angerichteten Teller.

Womit wir wieder beim Philosophieren wären: interessant, dass man etwas so Vergängliches wie einen Teller mit Essen, auf Fotos für die Ewigkeit festhält. Man könnte jetzt auch gut wieder an die Musik anknüpfen...

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