Sei kein Idiot, sag "Entrecôte"!

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Das "T" am Ende des französischen Wortes "Entrecôte" spricht man mit. Das "E" dagegen nicht, und so endet diese Bezeichnung eines Steaks aus der Hochrippe mit der Silbe "Kot". Nicht besonders ästhetisch, aber es ist, wie es ist.

Was übersetzt "Zwischenrippe" bedeutet, bezeichnet genau das: eine Scheibe Fleisch, die zwischen zwei Rippen liegt. Der gesamte Bereich der erwähnten Hochrippe umfasst beim Rind die 6. bis 12. Rippe. Davor, also von der 1. bis zur 5. Rippe lautet die Bezeichnung "Chuck" oder "Brisket", dahinter, also von der letzten, 13. Rippe bis zur Hüfte, ist die Lende (-> klicken)

Um die Bestellung des Steaks im Restaurant einfacher über die Zunge gehen zu lassen, wird es oft unter dem Namen Rib-Eye in der Speisekarte aufgeführt. Mit den Worten "das charakteristische Fettauge gibt den Namen" wird dieser Cut oft angepriesen. Den Namen gibt dem Steak allerdings ein Muskel. Beim Steakschnitt durch die Hochrippe, erhält man nämlich eine Scheibe, die aus mindestens drei unterschiedlichen Muskeln besteht. Der auf dem eingangs gezeigten Bild mit "musculus longissimus dorsi" bezeichnete Teil, ist das namensgebende "Auge der Rippe". Deswegen heißt das Steak auch nicht "Fat-Eye".

Die beiden anderen Muskeln sind übrigens zarter als der Hauptstrang. Sie werden bei den Bewegungen des Rindes nicht so stark beansprucht, was man schon an der helleren Farbe erkennen kann:

weniger beansprucht = weniger durchblutet = helleres Fleisch. Aus diesem Grund ist auch Kalbfleisch heller als das eines alten Ochsen.

Doch zurück zur Speisekarte. Vor ein paar Tagen besuchte ich ein neues, total angesagtes Restaurant in Braunschweig. Gleich am Eingang konnte man einen ganzen Rinderrücken im Reifeschrank bewundern. Als wir uns dann an unseren Tisch setzten, bekam ich eine Beschwerde an unserem Nachbartisch mit. Der Gast und Steakliebhaber hatte sich ein Entrecôte bestellt und bemängelte, dass es aus vielen Sehnen bestand, die er fein säuberlich auf seinem Teller seziert hatte.

Hier liegt genau das Problem eines Steaks aus der Hochrippe. Je näher man der Schulter kommt, desto mehr Sehnen stabilisieren dort die verschiedenen Muskelstränge. Im Prinzip ist solch ein Steak nicht zum Kurzbraten geeignet, es muss geschmort werden.

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Ich kenne nur eine Person, die mit Genuss auf den festen Sehnen eines durchwachsenen Steaks herum kaut: mein Vater. Aber der ist in diesen Dingen etwas speziell.

Lava oder Kernschmelze

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Ein Chocolate Lava- oder auch Molten Chocolate Cake zeichnet sich durch einen flüssigen Kern aus. Für ein perfektes Ergebnis gibt es zwei Herangehensweisen:

1. Man nimmt ein Stück Schokolade und steckt es in einen Teig. Während des Backens schmilzt die Schokolade im Kern. Beim Zerteilen ergießt sich dann diese sehr flüssige Kernschmelze über den Teller.

2. Der Kuchenteig wird kurz bei sehr hoher Temperatur gebacken, sodass er im Kern noch flüssig ist.

Um das Rezept möglichst einfach zu gestalten, habe ich mich nach einiger Recherche mit der zweiten Methode beschäftigt.

Die Vorgabe für ein überzeugendes Ergebnis liegt auf der Hand: Der flüssige Kern darf nicht nach rohem Teig schmecken und sollte aufgrund der verwendeten Eier ausreichend gegart sein.
Wird er jedoch zu lange gebacken, ist das Innere nicht mehr flüssig genug, um beim Anschneiden herauszulaufen. Es geht also um Zeit und Temperatur auf der einen, sowie die Zubereitung der Masse auf der anderen Seite.

Eier und Zucker müssen zu einer sehr cremigen Masse geschlagen werden. Der Kuchen darf nicht zu stark aufgehen, da er sich ansonsten nicht mehr stürzen lässt und zu instabil für den flüssigen Kern wird. Das einzige Triebmittel sind also die feinen Luftbläschen im Ei.
Die Schokolade wird zusammen mit Öl oder Butter vorsichtig temperiert, sodass sie gerade flüssig ist. Anschließend lässt man sie langsam in die Ei-Zucker-Masse hineinlaufen. Dabei stetig rühren, um eine Emulsion herzustellen. Im Prinzip bereitet man eine Art süße Hollandaise oder Mayonnaise zu.

Im Backofen erreicht das cremige Innere dann eine Temperatur von maximal 75 °C. Das Ei darf nicht gerinnen und ausflocken. Auch das eingearbeitete Mehl hilft durch die enthaltene Stärke, die Gerinnung zu verhindern. Ich verwende gerade so viel Mehl, dass die äußere, gebackene Schicht eine stabile Kuchenstruktur entwickeln kann, der Geschmack jedoch nicht durch Mehl dominiert wird.

Hier das Rezept für 4 kleine Keramik-Soufflé-Schälchen:

100 g Zartbitter-Schokolade
100 ml mildes Olivenöl


Die Schokolade in kleine Stücke teilen und in einem Glas-Schälchen mit dem Öl bedecken. In der Mikrowelle bei 900-1000 Watt eine Minute erwärmen. Anschließend glatt rühren. Die Schokolade sollte vollständig geschmolzen sein, sonst noch einmal 20 Sekunden erwärmen.

3 Eier
100 g Zucker
Prise Salz


Beides in einer Schüssel mit einem Handrührgerät sehr cremig rühren. Die Masse sollte dabei hellgelb werden.

Anschließend die flüssige Schokolade hineinlaufen lassen. Dabei immer weiter rühren.

30 g Mehl Typ 405

Das Mehl zum Schluss ohne Klümpchen in die Masse rühren. Dabei ist die Verwendung eines Mehlsiebs hilfreich.

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Zur ersten Methode empfehle ich das Rezept von Bras, welches zugegebener Maßen etwas kompliziert ist. Die Zubereitung ist hier sehr ausführlich dokumentiert (-> Le biscuit de chocolat coulant), für das Ergebnis übernehme ich jedoch keine Verantwortung.

Rotwein-Salami nach 4 Wochen Reifezeit

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Die Rotwein-Salami hing nun vier Wochen bei mir im Keller. Alle 3-4 Tage habe ich die Würste mit einem feuchten Tuch abgewischt, damit sie langsam von innen nach außen trocknen und reifen konnten. Würde die Salami außen zu trocken werden, ließe diese dichte Schicht die Feuchtigkeit nicht mehr aus dem Inneren entweichen.

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Im besten Fall nimmt man zum Befeuchten den Rotwein, der auch in der Wurst ist, es geht aber auch mit Wasser. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater zu seiner aktiven Zeit als Fleischer die Salamies in eine große Wanne voll Rotwein gelegt hat. Wobei ich nicht ganz glauben kann, dass wirklich nur Wein in der Molle war. Vielleicht hat er auch Wasser zu Wein gemacht. Ich komme schließlich aus einem katholischem Haushalt.

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Beim Aufschneiden konnte ich gleich mein neues handgeschmiedete Messer ausprobieren. Das Schnittbild und vor allem auch der Geschmack sind hervorragend geworden.

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Ich weiß, dass ich nichts weiß!

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Bis Anfang des Jahres war meine Geschmacks- und Geruchs-Welt noch in Ordnung. Beides war sauber getrennt und so konnte ich daraus wunderbare, besserbisserische Sprüche ableiten. Hier ein paar Beispiel, die man eloquent an einem geselligen Kochabend einwerfen kann:

- Wir können bis zu 10.000 Düfte unterscheiden, aber nur eine gute Hand voll Geschmäcker. Es ist also weitaus informativer am Wein zu riechen, als ihn zu trinken.

- Wer das Aroma von Rosmarin mag, hält sich während des Essens am besten einen Zweig unter die Nase. Das bringt weitaus mehr, als ihn zusammen mit dem Steak in die Pfanne zu legen.

- Fett ist kein Geschmacks-, sondern ein Geruchsträger. Was wir schmecken ist in der Regel wasserlöslich, im Gegensatz zu Aromen, die sich in Fett oder Alkohol lösen.


Unterstützt wurden meine Sprüche durch markante Tests, die man hin und wieder im Fernsehen bewundern konnte. Man hielt jemandem die Nase zu und ließ ihn oder sie in eine Zwiebel beißen. Diese konnte ohne Einsatz des Riechkolbens* nicht von einem Apfel unterschieden werden.

* Obwohl ich das Wort Riechkolben auch als Methapher für "Nase" ganz sinnig finde, meine ich hier den Bulbus olfactorius.

Natürlich gab es Immer wieder Entdeckungen, die bisherige gustatorische Erkenntnisse in Frage stellten oder gar ad absurdum führten. Der Klassiker sind die Geschmackszonen auf der Zunge, die zumindest meine Generation noch im Schulunterricht auswendig lernen musste. Leider ist diese Zungenlandkarte jedoch völliger Quatsch und geht auf einen Übersetzungsfehler zurück. Auf der Zunge gibt es zwar Zonen, die Geschmack intensiver wahrnehmen als andere, diese Zonen unterscheiden sich jedoch nicht durch Rezeptoren für beispielsweise sauer in der einen und salzig in der anderen Zone.

Auch die anfänglich nur vier verschiedenen Geschmacksrichtungen wurden im Laufe der Zeit erweitert. Nach Entdeckung des fünften Geschmacks für Umami, also eine Reaktion auf bestimmte Aminosäuren, geht man heute davon aus, dass wir auch Geschmacks-Rezeptoren für fettig und metallisch besitzen.
Die fettige Geschmacksrichtung hat auch schon einen Namen: Oleogustisch. An zwei neu entdeckte Rezeptoren (GPR40 und GPR120) können sich freie Fettsäuren andocken und einen Reiz auslösen. Abschließend ist jedoch noch nicht geklärt, ob der Reiz für Fett als neuer Geschmackssinn festgelegt werden kann.

Gleiches gilt für das Erkennen und unterscheiden von Wasser. Möglicherweise ist unser Geschmacksinn für Sauer mit einem Sinn für wässrig verbunden.

Alles jedoch keine Erkenntnisse, die die Grundlage meines Wissens über Geschmack und Geruch zum Wanken bringen konnten. Bis ich einen Artikel mit dem Titel "Wir riechen auch mit der Zunge" las. Vor kurzem aber konnten Forscher Geruchs-Sensoren auf der Zunge nachweisen. Bei verschiedenen Tests mit Mäusen reagierten die Geschmackspapillen auf Geruchsstoffe. Weitere Riechsensoren befinden sich übrigens auch auf der Haut und in den Bronchien.

Bisher ging man davon aus, dass sich Geschmack und Geruch erst imm zentralen Nervensystem bzw. im Gehirn zum Aroma zusammenfügen. Diese Erkenntnis ist durch die Entdeckung der Geruchs-Sensoren zumindest ein paar neue Versuchsreihen wert.

Ich gehe mal an einem Gläschen Wein riechen. Mit der Zunge.

Rotwein-Salami

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Olf, mein Vater und ich habe etwas gemeinsam: unsere Väter waren oder sind Fleischer. Das prägt fürs Leben.

So entstand die Idee, sich einmal zum Wursten und Sülzen zu Treffen. Olf wollte eine schöne Sülze machen, denn so was kriegste heute überhaupt nicht mehr in dieser Qualität.

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Aber Sülzen allein ist nicht abendfüllend und so haben wir auch noch Rotwein-Salami hergestellt. Für die Fotos war übrigens Sebastian zuständig. Sein Vater ist kein Fleischer, dann darf man eben auch nur am Rand mitspielen.

Nachdem wir beim letzten Wursten noch den Füllaufsatz des Fleischwolfes benutzt haben und ich Angst bekam, mein Vater würde beim langen Stehen eine Trombose bekommen, habe ich mir für den nächsten Termin extra einen professionellen Wurstfüller mit 6,8 kg Fassungsvermögen gekauft. So konnte ich auch das Niveau des "Equipments für Hausmacherscheiße" etwas heben.


Rezept für luftgetrocknete Rotwein-Salami

Das Wurstbrät haben wir in einen Rinderkranzdarm Kaliber 40/43 und Hukki Hüllen Kaliber 40/40 gefüllt. Beides geht, bei Naturdärmen hat man die etwas traditionellere Optik einer Italienischen Salami. Die Hukki Hüllen sind etwas unkomplizierter, was Lagerung und Füllen angeht.

Zutaten pro kg Wurstmasse

300 g mageres Rindfleisch
700 g durchwachsenes Schweinefleisch - am besten Sau-Nacken, also Fleisch von weiblichen Tieren, die bereits Junge bekommen haben, ca. 3 Jahre alt und entsprechend groß sind.

Wenn die Salami beim Lufttrocknen nicht so fest werden soll, kann man die Hälfte des Sau-Nackens durch fetten Rückenspeck ersetzen. Dann hat die Wurst allerdings auch größere Fettstücke im Schnittbild.

Das Fleisch sollte zum Wolfen sehr kalt oder leicht angefroren sein. Das Rindfleisch mit der 2 mm Scheibe zerkleinern, das Schweinefleisch in ca. 2 cm große Würfel schneiden. Dabei eventuelle Sehnen entfernen.

Folgende Zutaten zum Fleisch geben:

50 ml Rotwein - halbtrocken (z.B. Dornfelder)
1/4 Knoblauchzehe

24 g Pökelsalz (0,5 % Nitrit)
1 g Ascorbinsäure
0,5 g Starterkultur

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5 g Pfeffer
0,5 g Muskat - fein gerieben
0,5 g Fenchelsamen
0,5 g Majoran
0,25 g Koriandersamen
0,25 g Piment
0,25 g Kardamom

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Aufgrund der Gewürz-Mengen, wenn man keine Koks-Waage im Haus hat, empfiehlt es sich, 4 kg Wurstbrät herzustellen.

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Früher habe ich die Gewürze in einem großen Steinmörser gemahlen, mittlerweile habe ich mir dafür eine kleine, handbetriebene Kaffee-Mühle gekauft. Die Mischung dann zum Fleisch geben.

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Alles kräftig vermischen.

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Nun alles zusammen mit der 5 mm Scheibe wolfen.

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Jetzt noch einmal alles kräftig mischen, bis das Wurstbrät anfängt, sich zu verbinden. Schließlich alles in den Wurstfüller geben. Dabei darauf achten, dass man möglichst keine Luft mit einschließt. Am besten die Masse portionsweise mit Schwung in den Behälter werfen und immer etwas nachdrücken.

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Zum Abschluss das Wurstbrät in die gewünschten Därme füllen. Der eine Metzgerssohn kurbelt, der andere füllt den Darm. Der dritte steht dumm rum und macht schlaue Sprüche. Also genauso wie im Straßenbau.

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Nur noch mit Wurstgarn binden. Fertig. Es ist im mer wieder erstaunlich, wie filigran diese doch eher großen Hände arbeiten können.

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Hier im Vergleich die Salami im Natur- und im Kunstdarm. Einmal kunstvoll mit grünem Wurstband verziert.

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Nun muss man sich in Geduld üben: die Würste müssen an einem Kühlen, dunklen Ort für mindestens 4 Wochen reifen. Dabei sollte man sie alle 3-4 Tage mit Wasser (oder Rotwein) besprühen oder abwischen. Dadurch wird verhindert, dass die Wurst außen zu schnell trocknet und so im Inneren zu feucht bleibt.

Zur Stärkung gab es zum Schluss noch etwas Rinderfilet und ein Tatar vom Rest des gewolften Rindfleischs. Es kann einem schlechter gehen...

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